2hm auf der CeBIT 2008 - CO2-neutrale IT-Produkte auf dem Vormarsch
10. März 2008
Dr. Stefanie Regier, Expertin bei 2hm & Associates für qualitative Studien und Marktanalysen, hat auf der CeBIT 2008 mit Endkunden und IT-Unternehmen über die gegenseitigen Erwartungen und die Anforderungen an das Thema Green IT gesprochen. Ein Kernergebnis der Untersuchung zeigt, dass das Thema Glaubwürdigkeit ein Schlüsselproblem darstellt. Welchem Angebot kann man aus Endkundensicht trauen bzw. wie kann ich meine überlegene Position als Unternehmen glaubhaft vermitteln.
Auf der diesjährigen CeBIT richtete die Messeleitung als Sonderschwerpunkt den Themenkomplex Green IT ein. Viele Lösungsansätze wurden in Halle 9 im "Green IT Village" vorgestellt. Im Mittelpunkt standen hierbei Lösungen mit hoher Energieeffizienz und Stromspartechnologien zum Klimaschutz. „Denn Green IT ist momentan das neue ‚Buzzword’ und wurde von CeBIT-Chef Raue sogar zum ‚Megatrend der Messe’ erhoben“, resümiert Dr. Regier. Ob sich um Green IT viele attraktive Geschäftsfelder entwickeln, wird die Zukunft zeigen, denn hinsichtlich umweltfreundlicher Informationstechnologie besteht noch viel Nachholbedarf.
In der Vergangenheit war Umweltschutz in der IT-Industrie weitgehend ein Fremdwort. Was zählte, waren bislang immer leistungsfähigere Rechner.
Etwa zwei Prozent des weltweiten Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) entfallen auf IT und Telekommunikation. Der Industriezweig liegt damit in etwa gleichauf mit dem Luftverkehr. Beim lange vernachlässigten Thema Klimaschutz sieht sich die Hightech-Industrie nun als „Innovationsmotor“. Der Einsatz der richtigen IT-Produkte und Dienstleistungen könnte den Energieverbrauch in fast allen Branchen senken.
„Es hat in diesem Jahr einen Hype um Green IT gegeben“, sagte Siegfried Behrendt, Experte für Nachhaltiges Wirtschaften am Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. „Das Thema ist aber keine Eintagsfliege“. Denn angesichts steigender Energiepreise stünden die Firmen unter dem wirtschaftlichen Druck, beispielsweise ihre Rechenzentren energieeffizienter zu gestalten. Zudem sei das Thema Klimaschutz gesellschaftspolitisch von herausragender Bedeutung.
Umwelt- und Verbrauchschützer betrachten den neuen Trend zum Klimaschutz in der IT-Branche mit Skepsis. »Ein paar energieeffizientere Geräte machen noch keinen Sommer«, kritisierte die Verbraucherzentrale Bundesverband. Mit der Etikettierung „Green IT“ werde der Eindruck erweckt, es handle sich um umweltschonende Produkte. „Die IT-Branche darf nicht nur zur Messe grün sein, sondern muss jetzt die Ernsthaftigkeit ihrer Initiative in der gesamten Produktpalette unter Beweis stellen“. Die Hersteller müssten Stromfresser aus ihrem Sortiment verbannen und die Verbraucher angemessen über Umwelt- und Energieeigenschaften informieren.
Die Industrie indes verspricht, bei Green IT erst am Anfang zu stehen. „Das Thema setzt sich fort, das ist auch ein wichtiger Markt“, sagte der Präsident des Branchenverbandes BITKOM, August-Wilhelm Scheer. Laut einer Umfrage sind die meisten Verbraucher in Deutschland bereit, mehr Geld für umweltfreundlichere Computer zu zahlen. Zu diesem Schluss kam auch 2hm & Associates in seiner Befragung zum Interesse der Verbraucher an CO2-neutralen Produkten: tatsächlich sind über 50 % aller Verbraucher bereit, für CO2-neutrale Produkte und Leistungen einen höheren Preis zu zahlen.
Wir dürfen gespannt sein, ob sich dieses Thema auch auf der nächsten CeBIT wiederfindet.
